
90-Wasser - eine Hommage
Öl auf Leinwand, 70x60, Wz.: 421
90-Wasser
- eine Hommage
Text: Annegret Neunzig
90-Wasser – eine Hommage
1. Januar 2026 – ein neues Jahr beginnt.
Das Jahr 2025 ist vergangen – Zeit für einen Blick zurück, Zeit für Bilanz: Was ist gelungen, was war schwer, was belastend, was freudebereitend?
Wir schauen nicht nur zurück – wir schauen auch nach vorne, mit Neugier, mit Erwartungen, mit Hoffnungen – aber auch mit Sorge.
Genau an diesem Übergang steht das Bild „90-Wasser – eine Hommage“. – Ein vielschichtiges Bild, reich an Formen, Farben und Zeichen. Wege winden sich, Muster überlagern sich, Bekanntes und Fremdes greifen ineinander. Nichts ist leer, nichts ist einfach. Die Spuren des Vergangenen sind sichtbar – so wie auch unsere eigenen Lebensspuren nicht mit dem Jahreswechsel verschwinden.
Ein Element zieht den Blick besonders an: die Tür.
Sie steht offen.
Sie führt nach draußen – oder nach vorne.
Sie offenbart kein fertiges Bild, keinen konkreten Ort, keine vorgezeichnete Landschaft. Nur Licht und ein Stück blauen Himmels.
Was kommen wird, bleibt offen.
Gerade darin liegt die Kraft dieses Bildes. Die Tür ist kein Notausgang, kein Fluchtweg, kein Versprechen auf ein sorgenfreies Morgen. Sie ist einfach da. Sie lädt ein. Sie markiert eine Schwelle – zwischen dem, was war und dem, was werden kann.
Offenheit – sind wir bereit? Oder ziehen wir Sicherheit, Gewissheit und Kontrolle vor?
Das Bild fordert heraus: Geh ins Offene!
Nichts ist festgelegt. Nichts ist entschieden. Die Zukunft ist offen.
Im Bild ist das Neue nicht losgelöst vom Alten. Die bekannten Elemente aus P 90s Kunst bleiben präsent: Das Auge – das sieht – und vielleicht auch gesehen wird. Die Hand, die handeln, helfen, tragen kann. Die rote Kugel, verdichtet, schwer und lebendig zugleich. Nichts davon verschwindet. Alles geht mit.
So beginnt das neue Jahr nicht auf einer leeren Leinwand.
Wie das Bild, nehmen auch wir Erfahrungen mit, Verletzungen, Erfolge, Gewohnheiten, Ängste. Wege, die wir gegangen sind, enden nicht abrupt. Manche führen weiter, andere verändern ihre Richtung. Das Neue wächst aus dem Alten heraus.
In diesem Zusammenhang können wir die Jahreslosung der Kirchen hören:
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)
Das ist die Zusage von Bewegung: Es bleibt nicht, wie es ist. Das Alte hat nicht das letzte Wort. Erneuerung geschieht – meist leise, langsam und oft mitten im Unvollkommenen.
Ähnlich wie in diesem Bild: Keine geraden Linien, keine perfekte Ordnung. Schönheit und Hoffnung entstehen aus Vielfalt, aus Brüchen, aus dem Mut, Unregelmäßigkeit zuzulassen.
Fazit: Wir müssen die Zukunft nicht kennen, um ihr zu begegnen.
Es genügt die offene Tür
und die Haltung, die Rose Ausländer in zwei Zeilen ausdrückt:
„Ich glaube an Wunder
die noch geschehen“


