DAS TECHNOPHILOSOPHISCHE SCHACHSPIEL

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Die Idee

Die proportionalen Volumenverhältnisse von Kegel, Halbkugel und Zylinder präsentieren die hierarchische Ordnung im neuen Schachspiel. Dabei werden die Figuren über die Volumenverhältnisse der Zahlen 1, 2 und 3 kombiniert um die Verhältniszahlen 4, 5 und 6 zu bilden. Diese unterschiedlichen Volumenverhältnisse symbolisieren die moderne Gesellschaft. Hier ist nicht mehr wie im feudalen Gesellschaftssystem die vorgegebene Standeszugehörigkeit  entscheidend , sondern die Verfügbarkeit über Geld.

Die Philosophie

Die Zahl "π"

oder

die Quadratur des Kreises

π = 3,14159

Die Kreiszahl π ist eine der interessantesten mathematischen Phänomene. Seit Euklid versucht die Menschheit diesem Phänomen π auf die Spur zu kommen. Viele Geschichten und Anekdoten ranken sich um diese geheimnisvolle Zahl. In der Mathematik nennt man sie eine transzendente Zahl und sie ist im Vergleich zu fast allen anderen Zahlen tatsächlich transzendent oder metaphysisch. Sie macht uns klar, dass alles runde zwar manuell begreifbar, umfaßbar ist,  jedoch in der mathematischen Quantifizierung dieser runden Körper ein Rest von Unbestimmbarkeit bleibt. Aufgrund ihres transzendenten Charakters - sie ist eine Zahl mit unendlich vielen Stellen hinter dem Komma - können wir die Flächen, die Volumina dieser Körper immer nur näherungsweise bestimmen. Genaugenommen müssten alle Gleichungen mit dem Zeichen ≊ (ungefähr gleich)  versehen werden, weil eine hundertprozentige mengenmäßige Erfassung unmöglich bleibt. Die Menschen haben seit Euklid immer wieder versucht die Quadratur des Kreises, also die flächenmäßige Bestimmung des Kreises zu berechnen. Es ist bis heute nicht gelungen. Im Gegenteil, die Zahl π zeigt uns, dass die Welt auch jenseits von linearen, proportionalen und streng rational-kausalen Möglichkeiten existiert, dass es unlösbare Realitäten gibt.

Die Mathematik

Die Volumina der drei Figuren Kegel, Halbkugel und Zylinder lauten:

Volumen Kegel: 1/3 * π * r² *h
Volumen Halbkugel: 2/3 * π * r² * h
Volumen Zylinder: 3/3 * π * r² *h

Ein persönlicher Erlebnisbericht von Peter Neunzig

Nach der ersten Idee des Technophilosohischen Schachspiels vergingen annähernd zwei Jahre. Ansatzweise in einigen Bildern bereits dargestellt , fuhr ich nach Absprache eines Termins am Rosenmontag, den 27. Februar 1995 zu meinem Bekannten Willy Reisen in seine Firma nach Niederkrüchten. Für mich war klar, dass nur er für die gestalterische Entwicklung meines Schachspiels in Frage kam. Die Sensibilität, die Kreativität und sein Verständnis meiner Kunst gegenüber erzeugten an diesem Vormittag eine wundersame Korrelation.  Es war ein herrlicher kalter Wintertag. Die Klarheit des Tages sollte sich im Nachhinein gesehen mit der Klarheit des Schachspiels verbinden. Es war, -  wie man so sagt, -  ein Wurf, denn nach kurzer nochmaliger Diskussion über den Inhalt und die Aussage des Technophilosophischen Schachspiels wurden die Figuren von Willy Reisen am Zeichenbrett unmittelbar konzipiert und nachdem wir mit dem Taschenrechner die eigentlichen Parameter von Höhe und Durchmesser  bestimmt und die Figuren daraufhin in der Höhe und der Breite nochmals korrigiert hatten -  war das Schachspiel geboren. Ich weiß noch heute wie verblüfft ich war, als er die Halbkugel kurzerhand schräg stellte und somit den Figuren die atemberaubende Eleganz verlieh. Vieles floß dann nur so aus uns heraus. So z.B. die Idee des Pferdes, als etwas schwankendes, lebhaftes  - eben dargestellt durch die Halbkugel auf der die Figur des Bauern als Basisfigur rittlings gesetzt wurde. Als der Turm entworfen wurde, ich erinnere mich noch genau, war ich erst nicht davon zu überzeugen, die Figur des Bauern mit der Grundfläche auf den Zylinder zu  stellen. Mir erschien es widersprüchlich zur Figur des Königs, der die Macht besitzt durch das Zeichen der Krone eines auf dem Kopf stehenden Bauern. Die Krone also als usurpierte Macht über den Bauernstand. Willy überzeugte mich durch die Idee, dass der Turm Zeichen der kreativen Menschen ist, zwar auch wieder usurpiert zur Machterhaltung des feudalen Standes, aber doch von den einfachen Menschen, den Handwerkern gebaut. Dieser rationale, kreative Aspekt wird durch das aufrechte "Aufsitzen" der Basisfigur (des Kegels) dargestellt. Die Konzeption aller Figuren dauerte vielleicht nur eine Stunde. Es war, wenn ich das Schachspiel heute sehe, unsere Stunde, die Stunde zweier  Verrückter,  die an Rosenmontag zusammenkamen um etwas in dieser Art noch nie dagewesenes in die Welt zu setzen. Es war die Stunde zweier Unsterblicher.

©2019 by Peter Neunzig | Technophilosophische Kunst