DAS BUCH TECHNOPHILOSOPHISCHE KUNST

Das Buch von Peter Neunzig ist Teil der Technophilosophischen Kunst. Es verbindet Philosophie, Theologie mit Naturwissenschaft im künstlerischen Denk- und Schaffensprozess.
Die Idee des Buches
Das Buch ist kein abgeschlossenes Werk im klassischen Sinne. Es ist ein Denkraum, in dem sich Fragen entfalten:
Was bedeuten naturwissenschaftliche Erkenntnisse für das Denken?
Wie verändert sich Kunst im digitalen Zeitalter?
Und welche Rolle spielt der Mensch zwischen System und Bewusstsein?
Die Technophilosophische Kunst versteht das Buch nicht nur als Medium, sondern auch als Struktur des Denkens selbst.
Das Buch - ein Kunstwerk - mit dem Werkzeichen 415 und einer Limitierung auf 90 Stück - handsigniert und nummeriert.
Kunstbücher über Künstler gibt es viele. Das vorliegende Buch ist von mir selbst erstellt.
Das Buch selbst ist ein Kunstwerk und erhält als solches ein Werkzeichen.
Das Noch Nicht charakterisiert dieses Kunstwerk.
Es ist ein Rückblick. Ein Rück-Blick auf über 40 Jahre Technophilosophische Kunst. Es gibt in diesem Buch eine Menge zu lesen und natürlich auch viel zu sehen. Vielleicht macht gerade diese Zusammenschau von Text und Bild das Besondere der Technophilosophischen Kunst aus.
Die Technophilosophische Kunst ist meine private und intellektuelle Auseinandersetzung mit der Welt des ausgehenden 20. Jahrhunderts und dem Beginn eines neuen Jahrtausends.
Sie, die Sie sich auf dieses Buch einlassen, werden Texte finden, die informieren, Texte, die Trost spenden. Daneben gibt es Texte der Verzweiflung. Es wird auch ein wenig gerechnet und es wird philosophiert. Sie können nach eigenem Interesse durch das Buch wandern. Sie können lesend betrachten oder betrachtend lesen.
Viele Bilder sind zu sehen. Im Laufe meiner bisherigen Schaffenszeit sind über eintausend Technophilosophische Werke entstanden. Ich habe zu meinen Werken von Anfang an ein Exposé geschrieben, um die Gedanken nicht zu vergessen, die mich zum Schaffensprozess angeregt haben.
Die Exposés sollen keineswegs die Assoziationen und Gedanken des Betrachtenden beeinflussen oder leiten.
Sie sind eine Option, in den Dialog mit meinen Gedanken einzutreten.
Ich habe von jungen Jahren an gegen die Absurdität des Lebens angedacht und angemalt, um meinen Sinn im Leben zu finden. Es ist ein Leben voller Zweifel, ja oft Verzweiflung.
Künstler wird man nicht, Künstler ist man.
Die Philosophie des Buches
Philosophie und Naturwissenschaft
Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse erscheinen hier mit als Werkzeug, sondern als Teil einer erweiterten Wirklichkeit.
Philosophie wird nicht als abstrakte Disziplin behandelt, sondern als Bewegung innerhalb dieser Wirklichkeit.
Das Buch versucht, diese beiden Ebenen zusammenzuführen:
- die Präzision der Naturwissenschaft
- und die Offenheit philosophischer Fragestellungen
In dieser Verbindung entsteht ein Raum, der weder rein naturwissenschaftlich noch rein philosophisch, sondern sehr persönlich ist.
Die Kunst half mir zu überleben. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Geistesgrößen der menschlichen Kultur erlaubt mir, die Themen meiner Bilder zu finden. In diesem Buch tauchen auch immer Fragmente großer Denker auf, da ich schon sehr früh begonnen habe, alles Erwähnenswerte aus den unzähligen Seiten gelesener Lektüre in einem Kompendium aufzuschreiben. Diese Auszüge aus Philosophie, Religions- und Naturwissenschaft wurden über die Jahrzehnte zu einem Schatz, den ich in Auszügen mit Ihnen teilen möchte. Zitate werden durch Kursivschrift deutlich gemacht. Da ich leider bei meinen Aufzeichnungen nur Autor und Fundort im Sinne von Buch oder Artikel notiert habe, ist es mir heute nicht mehr möglich, die genauen Stellen anzugeben. Aus einer Unzahl gelesener Bücher habe ich alles, für mich Staunens- und Wissenswerte, in kleinen Erinnerungstexten, Zitaten und Exzerpte festgehalten. Das half mir, einen Überblick über meine persönliche Entwicklung zu bekommen. Veränderungen, die, die Zeit mit sich bringt, werden so deutlich erkennbar.
Ihnen wird auffallen, dass ich sehr privat aus meinem Leben erzähle. Es kann auch gar nicht anders sein, denn Kunst stellt in gewissem Sinne Bemühungen dar, mit verschiedenen Mitteln bestimmte Aspekte eines privaten Weltbildes zu vermitteln. (François Jacob, 1920 - 2013, franz. Arzt und Medizin-Nobelpreisträger)
Noch etwas ist mir wichtig! In diesem Buch sollen keine Wahrheiten verkündet werden. Kunst hat einen stark privaten Charakter, und ich weiß bis heute nicht, was Wahrheit in letzter Konsequenz ist.
Vielleicht ist Wahrheit das letzte Geheimnis und somit ein leeres Geheimnis. Wer sich bei einem immer Noch-Nicht auf die Wahrheit beruft, läuft Gefahr, zum Ideologen zu werden. Weil ein Prinzip dieser realen Welt ihre relative Unschärfe ist. Auch in der Mathematik zeigt sich in den transzendent-irrationalen Zahlen Unschärfe. Diese relative Unschärfe macht es uns so schwer. Sie macht deutlich, dass kein absolut festes Fundament existiert. Das lässt uns so verzweifelt nach einer, nach der Wahrheit suchen.
Vielleicht finden wir diese im Allmächtigen.
Unser Suchen bedeutet auch eine gewisse Offenheit – eben ein Noch-Nicht.
Mit dem Noch-Nicht kann das Spiel der Möglichkeiten beginnen, ohne es der Beliebigkeit unterzuordnen. Denn neben dem Zufall gibt es auch die Notwendigkeit in diesem Universum. Beide, Zufall und Notwendigkeit, lassen Vielfalt entstehen und machen Entwicklung überhaupt erst möglich.
Durch Zufall und Notwendigkeit entsteht auch die Vielfalt in der Kunst.
Gehen Sie mit mir, werte Leserinnen und Leser, Betrachterinnen und Betrachter, gehen Sie mit mir den Weg durch das Universum der Technophilosophischen Kunst, ein Weg des Noch-Nicht und ein Weg Ins Offene, weil es um das Ganze geht.
Gibt es ein Ziel oder ist der Weg das Ziel?
Machen wir uns gemeinsam auf den Weg!
EIN ERLEBNIS DER PUREN MAGIE
Am Beginn stand ein 4000 Jahre altes Artefakt
Zu dieser Zeit, 1980, fand die große Tutanchamun Ausstellung in Köln statt. Als meine Frau und ich vor dem Museum in Köln ankamen, wartete eine lange Menschenschlange vor dem Eingang. Völlig frustriert wollte ich umkehren, aber ich wurde überredet mich dort anzustellen. Ich weiß nicht mehr, was wir alles gesehen haben. Fantastische über 3000 Jahre alte Kunstwerke, die in ihrer Modernität gestern hätten hergestellt sein können. Irgendwann kamen wir zur berühmten Totenmaske des Tutanchamun. Ich glaube, der Raum war ein wenig abgedunkelt und die Maske war beleuchtet. Sie stand in einer großen Vitrine, vor der sich viele Menschen aufhielten. Die Maske übte eine unglaubliche Wirkung auf uns aus. Ich glaube, keiner sagte etwas, zumindest waren die Menschen ruhig und schweigsam. Schlagartig war mir bewusst, dass Wirklichkeit, so wie wir sie wahrnehmen, nicht sein kann.
Ein ungeheurer Zauber ging von diesem 4000 Jahre alten Artefakt aus purem Gold und blauem Lapislazuli aus. Die profane Welt kollabierte in einem Gegenstand, um als reine Magie in Erscheinung zu treten. Die Maske ist zeit- und raumlos und sie hat wirklich etwas Überirdisches, so als wäre ein Gott auf die Welt gekommen, um sie den Menschen zu schenken. Ich glaube, dass dieses Erlebnis, mich schließlich bewog, all meine Gedanken, all meine Ideen zu Papier zu bringen. Vielleicht, so dachte ich naiv, könnte auch ich etwas Verzaubertes, etwas Magisches, etwas Unglaubliches und noch nie dagewesenes machen. Aus heutiger Sicht eine wirklich naive Vorstellung. Es dauerte aber noch bis Ende 1982 bis ich, auch durch wochenlanges Überreden meiner Frau und ein Stolpern von einer Krise in die nächste, den Mut hatte, mein erstes Bild zu malen. Sein Titel hieß bezeichnenderweise Tutanchamun und wurde mit den Ölfarben gemalt, die ich als 12-Jähriger schon gebraucht hatte.
Als ich endlich zu Malen begann, war das wie eine Offenbarung. Endlich wusste ich, was ich ein Leben lang tun wollte, ja tun musste. Im Herbst 1982 begann ich endlich mit dem Werk der Technophilosophischen Kunst, einem persönlichen Programm, um die beiden großen Denkgebäude der Menschheit, Geistes- und Naturwissenschaft, über Kunst ins Gespräch zu bringen.
Unterstützt wurde ich von Anfang an von meiner Frau, die bis heute mein Tun fördernd und fordernd begleitet. Ihr bin ich zu großem Dank verpflichtet.



















